Boris Kanzleiter / Krunoslav Stojakovic (Hg.)

»1968« in Jugoslawien

Studentenproteste und kulturelle Avantgarde zwischen 1960 und 1975 - Gespräche und Dokumente.

Beihefte zum Archiv für Sozialgeschichte, Bd. 26

352 Seiten
Hardcover mit Schutzumschlag
38,00 Euro
ISBN 978-3-8012-4179-7

vergriffen, keine Neuauflage

Demokratie, Selbstbestimmung und Anti-Nationalismus: Die Proteste von 1968 in Jugoslawien führten die Impulse der globalen Studentenbewegung aus Ost und West auf einmalige Weise zusammen. Dieser Band gibt Einblicke in die kulturelle und politische Blütezeit des »anderen« Jugoslawien, das nicht nur den westdeutschen Linken der Sechziger- und Siebzigerjahre als »sozialistische Oase« inmitten der realsozialistischen Tristesse des Ostblocks erschien.

 


Anlässlich des 40. »Geburtstages« der Achtundsechzigerbewegung werden in diesem Band Schlüsseldokumente und Gespräche mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern des jugoslawischen »1968« erstmals in deutscher Sprache veröffentlicht. Das Material gewährt überraschende Einblicke in eine heute vergessene Oppositionsbewegung, die Demokratisierung und soziale Gerechtigkeit als Schlüssel für das Zusammenleben im Vielvölkerstaat betrachtete. Studentenstreiks, kritische Zeitschriften wie die international bekannte »Praxis«, experimentelles Kino und avantgardistisches Theater erzeugten ein anregendes intellektuelles Klima. Nicht das jugoslawische Projekt eines eigenständigen Sozialismus stand zur Debatte, sondern die Defizite seiner Realisierung. Die Dokumente zeigen die inneren Widersprüche des sozialistischen Jugoslawien zwischen 1960 und 1975, sie belegen nicht nur seine besondere Position zwischen Ost und West, sondern stellen darüber hinaus auch die angebliche Zwangsläufigkeit des jugoslawischen Staatszerfalls in Frage.