Cornelia Hecht

Deutsche Juden und Antisemitismus in der Weimarer Republik

Politik- u. Gesellschaftsgeschichte, Band 62

1. Aufl. 2003
432 Seiten
Hardcover
32,00 Euro
ISBN 978-3-8012-4137-7

vergriffen, keine Neuauflage

Drohbriefe, gewaltsame Übergriffe, Friedhofs- und Synagogenschändungen, gesellschaftlicher Ausschluss und wirtschaftlicher Boykott: Nach 1918 gewann der Antisemitismus an Aggressivität und Breitenwirksamkeit. Wie nahmen die deutschen Juden diese Radikalisierung wahr und wie reagierten sie auf die antisemitische Agitation?

 

Die Weimarer Verfassung brachte den deutschen Juden die lang ersehnte rechtliche Gleichberechtigung. Was zunächst wie der Aufbruch in eine neue Zeit aussah, erwies sich jedoch schnell als der Beginn eines alle Kräfte erfordernden Kampfes gegen eine antisemitische Sturmflut nie da gewesenen Ausmaßes: Lautstark debattierten Antisemiten über eine »Entrechtung« und »Entfernung« der Juden, offen forderten sie zu Gewalttaten auf.
Für das Alltagsleben deutscher Juden hatte die Zunahme des gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Antisemitismus weit reichende Folgen. Es gab kaum einen Lebensbereich, in dem sie nicht mit antisemitischen Denk- und Verhaltensmustern konfrontiert wurden. Dennoch waren die Wahrnehmung des Antisemitismus und die Reaktionen unter deutschen Juden keineswegs einheitlich. Vielmehr entbrannte in der deutsch-jüdischen Presse eine kontroverse Diskussion darüber, wie der Antisemitismus zu bewerten und wie ihm entgegenzutreten sei.
Vor dem Hintergrund dieser innerjüdischen Debatte dokumentiert die Autorin nicht nur den Umgang deutscher Juden mit dem Antisemitismus, sondern beleuchtet überdies ihre Einschätzung des demokratischen Nachkriegsstaates, seiner Institutionen und seiner Gesellschaft.