Detlef Siegfried

Der Fliegerblick

Intellektuelle, Radikalismus und Flugzeugproduktion bei Junkers 1914-1934

Politik- u. Gesellschaftsgeschichte, Band 58

1. Aufl. 2001
336 Seiten
Hardcover
29,70 Euro
ISBN 978-3-8012-4118-6

vergriffen, keine Neuauflage

 

Nach dem Ersten Weltkrieg mobilisierte die Faszination des Fliegens die deutsche Nation. Aufgrund des Friedensvertrags zur Konzentration auf die zivile Luftfahrt gezwungen, errang Deutschland einen beträchtlichen Vorsprung im internationalen Verkehrsflugzeugbau. Spektakuläre Erfolge nährten die Hoffnung der Deutschen, über die »dritte Dimension« einen nationalen Wiederaufstieg erreichen zu können. Hinzu kam, dass der Fliegerblick, die Perspektive von oben, auch eine völlig neue Sicht auf die Welt eröffnete. Er regte nicht nur politische Utopien an, sondern auch ästhetische Konzepte und architektonische Entwürfe.
Detlef Siegfried beleuchtet die politische und ästhetische Debatte um das Fliegen am Beispiel der Entwicklung der Junkers-Flugzeugwerke – des damals national wie international führenden Flugzeugherstellers mit Sitz in Dessau. Seit der Mitte der 20er Jahre, als sich das Bauhaus am gleichen Ort ansiedelte, entstand hier eine in vielerlei Hinsicht einmalige Schnittstelle von künstlerischer und technischer Moderne, die auch politische Projektionen auf sich zog.
Die Auseinandersetzung um eine militärische oder zivile, eine nationale oder kosmopolitische Definition des Fliegens führte 1931 im Junkers-Management zu einer Machtprobe, die eine Gruppe ehemals linksradikaler Intellektueller gegen die nationalistischen Militärdirektoren für sich entschied. Zu ihr gehörten ein früherer kommunistischer Theoretiker, ein Maler und ein Schriftsteller. Anhand der linksintellektuellen Gruppe und ihrer Auseinandersetzungen mit den nationalistischen Militärs werden die politischen Implikationen des Fliegens in der Zwischenkriegszeit untersucht. 1933 wurden die Junkerswerke durch Zwangsenteignung ganz der Verfügungsgewalt des Reiches unterstellt und damit in die nationalsozialistische Politik zum Aufbau einer neuen Luftwaffe eingeordnet.