Meik Woyke

Albert Schulz (1895-1974)

Ein sozialdemokratischer Regionalpolitiker

Reihe Politik- und Gesellschaftsgeschichte, Band 73

1. Aufl.
336 Seiten
Hardcover
28,00 Euro
ISBN 978-3-8012-4166-7

vergriffen, keine Neuauflage

Albert Schulz war in fünf verschiedenen politischen Systemen des 20. Jahrhunderts und drei norddeutschen Ländern für die Sozialdemokratie tätig. Mit ihm gerät ein wichtiger Funktionär aus der zweiten Reihe in den Blick. Sein Leben war typisch für die Prägungen und politischen Optionen einer bestimmten Führungsgeneration in der Arbeiterbewegung.

 

Die politische Biographie schildert, wie Albert Schulz vom gelernten Werftarbeiter zum Multifunktionär der mecklenburgischen Sozialdemokratie aufstieg. Ihre breite Quellengrundlage erlaubt tiefe Einblicke in mühselige Parteiarbeit auf regionaler Ebene. Fest verwurzelt in seinem Milieu, engagierte Schulz sich vor 1933 unter anderem als Gauvorsitzender des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold in Mecklenburg-Lübeck. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er am Wiederaufbau der SPD in der Sowjetischen Besatzungszone mit. Wie die nuancierte Analyse von individuellen, strukturellen und generationellen Erfahrungen zeigt, hingen Schulz’ politische Wirkungsmöglichkeiten stark von der jeweiligen Staatsform ab. Nicht zuletzt die Kommunisten setzten dem 1946 zum Oberbürgermeister von Rostock avancierten Sozialdemokraten enge Grenzen in dem Bemühen, seine parteipolitische Überzeugung durchzusetzen. Schließlich wurde der Anpassungsdruck zu groß: Schulz, inzwischen SED-Mitglied, floh 1949 in den Westen, wo ihm nach entbehrungsreichen Jahren in Hamburg eine zweite Karriere in Schleswig-Holstein gelang.