Friedhelm Boll

Sprechen als Last und Befreiung

Holocaust-Überlebende und politisch Verfolgte zweier Diktaturen

Studienausgabe 2003
464 Seiten
Broschur
25,00 Euro
ISBN 978-3-8012-4130-8

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Für diese deutsch-deutsche Studie wurde ein besonderer Zugriff gewählt. Er besteht im Vergleich des lebensgeschichtlichen Erzählens nationalsozialistischer und stalinistischer Opfer unter der übergreifenden Fragestellung: Welche persönlichen und gesellschaftlichen Umstände haben die sprachliche Bewältigung der Verfolgungserfahrung begünstigt, welche haben sie behindert? Im Mittelpunkt steht damit der Zusammenhang von gesellschaftlichem und privatem Erinnern bzw. Schweigen in Ost- wie in Westdeutschland.

 

Grundlage der Studie sind über 100 Interviews mit Holocaust-Überlebenden sowie politisch Verfolgten des Nationalsozialismus und des Stalinismus der SBZ/DDR. Ausgewählt wurden solche Personen, die mehrfach befragt wurden und von denen zusätzlich ältere Erinnerungstexte zum Vergleich herangezogen werden konnten. Anhand dieser lebensgeschichtlichen Interviews und einer detaillierten Presseanalyse der 50er Jahre arbeitet Boll die Rivalitäten und Unterschiede der Opfergruppen sowie die Abhängigkeit der erzählten Lebensgeschichten vom sozialen Kontext ihrer Entstehung heraus.
Während sich bisherige Untersuchungen zumeist auf individual-psychologische Fragestellungen konzentriert haben, weist Friedhelm Boll das bisher weit unterschätzte öffentliche Interesse als Bedingung für das Sprechen-Können der Opfer nach. Dabei liefert die einfühlsame und differenzierte Analyse der Erzählmuster von Holocaust-Überlebenden das Vorbild für die Untersuchung der Erzählungen der politisch Verfolgten.

Pressestimmen

»Der methodische Ansatz, lebensgeschichtliche Erfahrungen mit zeitgeschichtlichen Quellen zu vergleichen, erweist sich als wegweisend und ertragreich. Bolls Studien (…) sind ein herausragender Beitrag zur Geschichte der deutsch-deutschen Erinnerungskultur und des Umgangs mit den Diktaturen.«
FAZ, 26. Januar 2002