Beatrix Bouvier

Die DDR - ein Sozialstaat?

Sozialpolitik in der Ära Honecker

Veröffentlichungen des Instituts für Sozialgeschichte, Braunschweig-Bonn

1. Aufl. 2002
360 Seiten
Hardcover
27,80 Euro
ISBN 978-3-8012-4129-2

vergriffen, keine Neuauflage

Wie funktionierte die Sozialpolitik in der »Ära Honecker«, welche Bedeutung hatte sie für die Menschen, aber auch für die Stabilität, Stagnation und Krise des Systems?

 

Auch mehr als zehn Jahre nach dem Untergang der DDR gehen die Ansichten, in welcher Weise die DDR eine Diktatur gewesen ist, weit auseinander. Die Historikerin Beatrix Bouvier beschreibt anhand ausgewählter sozialpolitischer Leitthemen – Recht auf Arbeit, Wohnungsfrage, Renten, Frauen- und Familienförderung – wie die Sozialpolitik in der »Ära Honecker« (1971–1989) wirkte, welche Bedeutung sie für die Menschen, aber auch für die Stabilität, Stagnation und Krise des Regimes hatte.
Wichtigste Quellengrundlage für diese Arbeit bilden die so genannten Eingaben und -analysen: Tausende von DDR-Bürgern hatten nämlich die Möglichkeit genutzt, bei unterschiedlichen Stellen bis hin zur höchsten Staatsspitze Eingaben, also Beschwerden, persönliche Notrufe oder allgemeine Verbesserungsvorschläge, einzureichen, ohne dabei berufliche oder persönliche Benachteiligungen befürchten zu müssen. Auf Grundlage dieser Eingaben wird offenkundig, dass die bis zum Ende der DDR beibehaltene Formel von der »Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik« nur wenig mit der realen Entwicklung gemein hatte. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der damaligen Stimmung, den Hoffnungen, Erwartungen und Enttäuschungen der Menschen ist aber umso wichtiger geworden, als heute aufgrund fundamentaler Veränderungen die Erinnerung an die reale soziale Lage von Ostalgie-Gefühlen überlagert wird.